Das VAPiAR-Living Lab – ein partizipativer Ansatz zur Verbesserung der Pflege über innovative Technologien

Die Stärkung der Pflege ist eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Hierfür sind dringend Lösungen notwendig, die in der Praxis der Pflege nachhaltige Verbesserungen erbringen.

Im Projekt VAPiAR werden u. a. Technologien entwickelt und verbessert, um Arbeitsprozesse für die Pflegenden zu erleichtern und zugleich die Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu erhalten. Demografiesensible Analysetools, Konzepte für eine partizipative Einführung technischer Hilfsmittel und betriebliche Qualifizierungskonzepte werden entwickelt und im Living Lab mit Beteiligten aller Projektpartner getestet. Das Living Lab dient auch als Vernetzungsplattform der unterschiedlichen Akteure des regionalen Pflegewesens.

Praxisrelevantes Feedback im Living Lab

Beim 5. Arbeitstreffen im Juli dieses Jahres trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aller Projektpartner sowie des Projektträgers Karlsruhe (PTKA) im AWO-Service- und Wohnzentrum Schönkirchen.

Die gezeigten Pflegetechnologien unterstützen bei Kommunikation, Dokumentationspflichten und Ergonomie sowie bei der Automatisierung durch „Smart Home“ Anwendungen.

•            Die Sensorik des Laroma-Pflegebettes erkennt die Position des Pflegebedürftigen im Bett und unterstützt damit die Dekubitusprophylaxe. Außerdem verfügt es über eine integrierte Gewichtsmessung. Dieses Feature ist für Pflegefachkräften besonders hilfreich, da Dekubitus für viele Erkrankungen und Pflegeszenarien relevant ist.

•            Der Pflegeroboter „temi“ ist ein fahrbares Tablett, das über Sprachsteuerung oder Touchscreen bedienbar ist. Mit ihm können unter anderem Anrufe getätigt und Bilder angesehen werden. Das Besondere ist die sprachliche Kommunikation und Steuerung.

•            Eine App dient der Dokumentation per Spracherkennung.  Pflegekräfte können damit alle relevanten Dokumentationsinhalte einsprechen. Dadurch wird der tägliche zeitliche Aufwand für die Dokumentation erheblich verringert, was zeitliche Ressourcen für die Aufgaben freisetzt, beispielsweise für Interaktion mit den Pflegebedürftigen.

•            Der programmierbare Medikamentenspender gibt die gestellten Medikamente zur richtigen Uhrzeit an Pflegebedürftige aus. Er verfügt über ein Erinnerungssignal und kann sogar bei Vergessen der Einnahme den Pflegedienst oder Angehörige kontaktieren.

•            Lampen schalten sich über die Hausautomatisierung zu einer bestimmten Uhrzeit oder bei Bewegung ein- und aus. Auch Fenster lassen sich bei einer festgelegten Temperatur oder zu einer gewissen Uhrzeit öffnen und schließen.

•            Die Ergonomieanalyse unterstützt die Pflegekräfte, eine möglichst gesunde Arbeitshaltung einzunehmen.  Über eine Kamera erkennen Pflegekräfte ihre Haltung der Wirbelsäule und der Gliedmaßen, um ihre Körperhaltung entsprechend anzupassen oder zu korrigieren.

•            Weitere Ausstattungen des Living Labs sind geplant. Die Auswahl erfolgt in Zusammenarbeit und Absprache aller Projektpartner.

Der partizipative Ansatz ist einer der Erfolgsfaktoren für das Forschungsprojekt: Teilnehmende aus der ambulanten Pflege stellen fachkompetente Fragen, diskutierten die Einsatztauglichkeit im Pflegealltag und liefern den Entwicklerinnen und Entwicklern wertvolle Anregungen aus der Praxis, um die Pflegetechnologien weiter zu verbessern.

Auch die Vernetzung mit weiteren Akteuren aus der ambulanten Pflege wird gezielt gesucht. So präsentierten die VAPiAR-Projektpartner und –partnerinnen das Projekt im September bei der Digitalen Woche Kiel und beteiligten sich an der Konferenz des Clusters „Zukunft der Pflege“, die unter dem Motto „Technologie bewegt Pflege“ in Freiburg im Breisgau stattfand. Vorgestellt wurden die Forschung  zu ethischen, legalen und sozialen Aspekten bezüglich Technologieeinsatzes in der Pflege sowie die im Projekt VAPiAR durchgeführte Analyse der erforderlichen Technikunterstützung und der Handlungsbedarfe bei Arbeitsprozessen in der ambulanten Pflege.

Seit November neu im Living Lab getestet wird der Smart Cup, der Menschen unterstützt, regelmäßig und ausreichend zu trinken. Die Trinkerinnerung kann wahlweise per Licht-, Ton- oder Vibrationssignal erfolgen. Das elektronisch gesteuerte Trinksystem, das eine Browser-gestützte Technologie nutzt, wurde mit Blick auf den stationären Bereich entwickelt. Nun soll geprüft werden, ob pflegebedürftige Personen im ambulanten Bereich den Becher selbst bedienen können.

OFFIS_Meike Ahlers

OFFIS_Meike Ahlers

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Produktion, Dienstleistung und Arbeit
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