Game Changer oder Optimierer einer humanzentrierten Versorgung?

Das Kompetenzzentrum HUMAINE für humanzentrierte Arbeit mit KI lud Ende Juli zum Ideenlabor nach Bochum ein. Der Wissenschafts-Praxis-Dialog bot interessierten Akteuren der Branche Möglichkeiten zum Austauschen und Vernetzen. Eröffnet wurde der Abend durch Impulsvorträge, wie zum Beispiel zur Entwicklung eines KI-Geschäftsmodells. 

Nach den einleitenden Impulsvorträgen von Lucas Habrich zur Entwicklung eines KI-Geschäftsmodells und Prof. Dr. Jörg Wellmer (Leiter der Ruhr-Epileptologie) zum Einsatz von KI in der radiologischen Diagnostik konnten sich die Teilnehmenden anschließend an verschiedenen Stationen über aktuelle Entwicklungen und Forschungsschwerpunkte zu KI in der Medizin informieren. Der Wissenschafts-Praxis-Dialog bot interessierten Akteuren der Branche aus dem Ruhrgebiet viele Möglichkeiten zum Diskutieren, Austauschen und Vernetzen.

Forschung für die menschzentrierte Arbeit mit Künstlicher Intelligenz in Medizin und Industrie

Ist Künstliche Intelligenz ein Game Changer in der Medizin? Diese Frage wurde im Rahmen des HUMAINE Ideenlabors Ende Juli diskutiert. HUMAINE ist das Kompetenzzentrum der Metropole Ruhr für die Arbeitswelt der Zukunft mit Künstlicher Intelligenz (KI). In einem interdisziplinären wissenschaftlichen Team werden Ansätze und Methoden für die menschzentrierte Arbeit mit KI entwickelt. Dies geschieht in sieben Pilotanwendungen mit Unternehmenspartnern aus der Industrie und dem Gesundheitswesen. Durch die Etablierung eines Prozessansatzes werden Akzeptanzprobleme bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abgebaut und die Grundlage für eine steigende Wirtschaftlichkeit und bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen gesetzt. Die Projektleitung des Kompetenzzentrums, Prof. Dr. Uta Wilkens von der Ruhr-Universität Bochum, führte durch die Veranstaltung und moderierte den regen Austausch im Anschluss an zwei spannende Impulsvorträge aus der HUMAINE Community.

Impulsvorträge zu KI-basierten medizinischen Anwendungsfällen aus dem Projektkonsortium

Lucas Habrich (CTO von dermanostic – Hautarzt per App) stellte in seinem Praxisbeitrag das eigene Geschäftsmodell vor. Der Service per App besteht darin, Patientinnen und Patienten auf Basis von Fotos und einem kurzen Fragebogen anonymisiert eine ärztliche Diagnose durch Expertinnen und Experten der Dermatologie stellen zu können. Zukünftig sollen die dermatologischen Fachärztinnen und Fachärzte durch eine KI-basierte Bilderkennung unterstützt werden, durch die eine automatisierte Auswertung von Hautbildern zur Erkennung von Hautkrankheiten möglich ist. Da sich diese Bilderkennung noch im Anfangsstadium befindet, werden die Diagnosen durch ein Vier-Augen-Prinzip durch professionelle Expertinnen und Experten abgesichert.

In der Radiologie wird ebenfalls der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der MRT-Bildgebung erforscht. Im Vergleich zur Standard-MRT-Diagnostik ermöglicht KI die Verarbeitung von deutlich mehr MRT-Sequenzen und Schnittebenen. Dies ist unter anderem bei epilepsiespezifischen MRT von Vorteil, da der Aufwand bei der Verarbeitung der großen Datenmengen reduziert wird. Die KI assistiert dem radiologischen Personal bei der MRT-Auswertung. Welche Veränderungen des Berufsbildes das nach sich zieht, legte Prof. Dr. Jörg Wellmer (Leiter der Ruhrepileptologie, Knappschaftskrankenhaus Bochum) in seinem Impulsvortrag dar. Er thematisierte ebenso die Gefahr der Substitution von Personal durch KI-Lösungen, betonte jedoch den positiven Nutzen solcher Systeme für Patientinnen und Patienten sowie das radiologische Personal.

Reger Austausch zu aktuellen Entwicklungen von KI in der Medizin

Die anschließende Diskussionsrunde eröffnete viele neue Blickpunkte. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Künstliche Intelligenz das Potenzial eines Game Changers in der Medizin hat - mit einher gehen weitreichende Auswirkungen, sowohl auf Arbeitsprozesse, Beschäftigte und Führung, als auch auf die Patientinnen und Patienten.

Der Austausch wurde in einem offenen Gallery Walk weitergeführt. Hier konnten sich die Akteure über Neuigkeiten und aktuelle Forschungsschwerpunkte zu KI in der Medizin sowie das Kompetenzzentrum HUMAINE und seine Partner informieren. Der Gallery Walk beinhaltete auch einige praktische Stationen: An der Notfallpuppe des Katholischen Klinikums Bochum konnte beispielsweise der Ernstfall einer Reanimation geprobt werden und die Datenverwendung sowie Herausforderungen für die KI-Nutzung in diesem Fall beleuchtet werden.

Führung durch den Forschungsbau ZESS

Zum Abschluss der Veranstaltung konnte der erst wenige Tage zuvor eröffnete Forschungsbau ZESS besichtigt werden. Das Forschungszentrum für das Engineering smarter Produkt-Service-Systeme liegt in direkter Nachbarschaft zur HUMAINE Geschäftsstelle. Auf ca. 8.000 m² wird interdisziplinär geforscht und entwickelt. Die verschiedenen Fakultäten, wie Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften sowie Psychologie und Mathematik arbeiten eng zusammen, um den gesamten Lebenszyklus von smarten Produkt-Service-Systemen betrachten zu können.

Lucas Habrich (dermanostic, links) und Prof. Dr. Jörg Wellmer (Ruhrepileptologie, Mitte) in der Diskussion, moderiert von Prof. Dr. Uta Wilkens (Ruhr-Universität Bochum, rechts).

Lucas Habrich (dermanostic, links) und Prof. Dr. Jörg Wellmer (Ruhrepileptologie, Mitte) in der Diskussion, moderiert von Prof. Dr. Uta Wilkens (Ruhr-Universität Bochum, rechts).

HUMAINE

Prof. Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter (Ruhr-Universität Bochum) erprobt wiederbelebende Maßnahmen an der Notfallpuppe des katholischen Klinikums Bochum.

Prof. Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter (Ruhr-Universität Bochum) erprobt wiederbelebende Maßnahmen an der Notfallpuppe des katholischen Klinikums Bochum.

HUMAINE

HUMAINE-Projektmitarbeiter Alfredo Virgillito (Gemeinsame Arbeitsstelle RUB/IGM) im Gespräch mit interessierten Teilnehmenden.

HUMAINE-Projektmitarbeiter Alfredo Virgillito (Gemeinsame Arbeitsstelle RUB/IGM) im Gespräch mit interessierten Teilnehmenden.

HUMAINE

Der Wissenschafts-Praxis-Dialog bot medizinisch interessierten Akteuren aus dem Ruhrgebiet viele Möglichkeiten zum Diskutieren, Austauschen und Vernetzen.

Der Wissenschafts-Praxis-Dialog bot medizinisch interessierten Akteuren aus dem Ruhrgebiet viele Möglichkeiten zum Diskutieren, Austauschen und Vernetzen.

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